Bieringer Kollage
 

Zeitungsartikel August 1987

Was die Bieringer früher so trieben:

Hamballe und Lällabäbbel

Anekdoten, Originale und Geschichten - ein gelungener Heimatabend

BIERINGEN (als). Die drei Ur-Bieringer auf der Bühne begannen mit einer liebevollen Publikumsbeschimpfung: „Hamballe, Lällabäbbel, Allmachtsdackel, Trialer, Schuraburzler". In diesen Tönen stellten sich Gerda Sauter, Maria Mayer und Rolf Schorp vor, die Hauptakteure des Bieringer Anekdotenabends am Dienstag. Man wollte Vergangenes und Schmunzelwürdiges aufhellen, entdecken und bewußt machen. Dazu forderte der „Büttel" mit der Schell': „Nasitza, Auga auf, Ohra auf. Maul halta!"

Der übervolle Gemeindesaal hatte bei diesem Dorf-Abend quasi Premiere. Restauriert und erweitert und doch schon wieder zu klein", rief Rolf Schorp den beiden anwesenden SPD-Stadträtinnen Ursel Sieber und Else Starp zu. Das sollten sie in Rottenburg gleich vermelden. Gleichwohl begrüßte er die beiden recht herzlich und stellte auch mit launigen Worten die „Musikanten" vor: Die Mühlener Stubenmusik mit Ernst und Heidi Heller und Esther Schäffer, die mit Zither, Hackbrett und Gitarre die Bieringer zu wahren Beifallstürmen hinrissen. Nicht weniger Erfolg hatte die Blasmusik unter Willi Grammer.
 
„Für einen Anekdotenabend gibt es kein Muster", sagte Rolf Schorp. So verfielen die Regisseure dieses Abends auf den Dreh, die Geschichte selbst sprechen zu lassen. Es traten auf: der Römer, der Alemanne Burkhard III. von Hohenberg, Burkhard von Ehingen, von Ow, von Wernau, Gräfin Mechthild und schließlich Napoleon. Sie kamen in ihren historischen Gewändern daher und erzählten von ihrem Tun und Treiben und was sie für Spuren hinterlassen hätten in Bieringen und der näheren Umgebung. Das wohl ungewisse Todesdatum des Burkhard von Ehingen kommentierte der Grafendarsteller mit dem Lacherfolg: „Ich sterbe von 1503 bis 1506."

Am weitesten zurück liegt die urkundliche Meldung, derzufolge die Bieringer wohl den Zehnten nicht so ordentlich ablieferten, daß es zur Freude der Lehensherren gewesen wäre. Man sprach von offenbarem „Zehendbetrug" und „Zehendfrevel". Das Fazit von Marie Mayer: „Sie sehen, daß das Finanzamt schon zu jeder Zeit beschissen wurde und die Bieringer bereits früh damit begannen." Es folgten Anekdoten aus dem Amtsprotokoll des Bieringer Schultheißen, wie zum Beispiel die von Johann Dürr, Franz Bollay und Kornel Deutschle, die einst bei der Nacht „auf der Gasse herumgeloffen" waren „und gejaulet" hatten. Besonders der Urban Albus habe dabei „der Bollizey nachgeredet, und der Johann Dürr habe gesagt, er hätte eine gute Lust den Schützen herumzuschlagen". Das wollte Bieringens Obrigkeit nicht durchgehen lassen. Schultheiß und Gemeinde beschlossen, daß die vier angezeigten Burschen „zur Strafe arbeiten sollen", an dem Vicinalweg nach Sulzau und zwar jeder mindestens einen Tag.

Daß Bieringen nicht arm war und ist an Originalen kam an diesem Abend recht deutlich heraus. Um nur zwei Männer zu nennen: „Dr Na-ze Seff' aus Weiler: Als die Feuerwehr für den Löschteichbau eine Sammlung machte, fragte seine Schwester, ob er auch etwas gäbe. „Ja freilich, an Eimer Wasser!" Oder „dr Schmid aus Sulzau". Als das Neckar-Hochwasser seinen Schuppen mitnahm, rannte er in die Stube zum Herrgottswinkel, hängte das Kreuz aus und warf es in den Neckar: „Dr Schopf hots fort und du schwemmst au."

Was wäre in Bieringen ein Heimatabend ohne Neckar? Das Gedicht von Sebastian Blau wurde von dem Dreigespann auf der Bühne in verteilten Rollen vorgetragen. Und zu den eigenen Erinnerungen gehörte dann auch schon die Kriegs- und Nachkriegszeit. Ein selbst verfaßtes Gedicht über die Jugendzeit beendete den rund dreistündigen Heimatabend. Die Unzahl von Witzen und Sketchen und die Musik rissen das Publikum mit, und zum Schluß sangen die Gäste gar die Lieder der Musik-Kapelle mit. Kräftiger Applaus dankte den Akteuren auf der Bühne für ihre Einfälle und die Regie des Abends.

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