Bieringer Kollage
 

Die Kirchen und Kapellen

Wann das Christentum in Bieringen Eingang gefunden hat, läßt sich historisch nicht genau datieren. Da die hiesige Gegend jedoch zur Zeit der Frankenherrschaft im 7. Jahrhundert missioniert wurde, kann man davon ausgehen, daß die Einführung des Christentums in Bieringen auch in diese Zeit fällt.

Schon im Jahr 1275 werden Kirche und Pfarrei erstmals urkundlich erwähnt. Diese mittelalterliche Pfarrkirche mit dem 1333 nachweisbaren Patron St. Petrus stand auf der rechten Neckarseite an der Stelle der heutigen Friedhofskapelle. Die wenigen Gehöfte der damaligen Gemeinde Bieringen lagen, wie die Pfarrkirche, ursprünglich ebenfalls auf der rechten Neckarseite. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts jedoch wurde die Kirche auf die andere Neckarseite verlegt.

Kirche von Bieringen

Kirche mit Zwiebelturm

Diese neue Kirche oder Kapelle auf der linken Neckarseite, die Vorläuferin der heutigen Pfarrkirche, muss um das Jahr 1420 erbaut worden sein. Dies belegt ein auf diese Zeit datierter Eintrag in einem Formelbuch des Bistums Konstanz, laut dem der Bischof Otto III. den Bewohnern des Dorfes Bieringen am Neckar , deren Pfarrkirche jenseits des Neckars liege und wegen Hochwassers oft nicht besucht werden könne, für ihre neu erbaute Muttergotteskapelle einen Bettelbrief ausstellte.

Denselben Grund für die Verlegung der Pfarrkirche, nämlich das Hochwasser, führt eine Urkunde an, die am 29. Mai 1460 Hans y cher (Eicher), dem damaligen Ortsherrn von Bieringen, ausgestellt worden war: ". . . wegen das man zu der ob geschribenen Pfarrkirche (St. Peter) nit wol kommen mögen, Weeg, Steeg und Waasernot halb".

Vor der Verlegung der Pfarrkirche muß jedoch schon das Dorf auf die linke N eckarseite verlegt worden sein, denn sonst hätte es ja nicht zu den Klagen kommen können, daß man die Pfarrkirche auf der anderen Seite oft nicht erreichen könne .

Wie ist es zu erklären, daß diese Verlegung in einem Eintrag aus dem Jahr 1420 und in einer Urkunde aus dem Jahre 1460 erwähnt werden konnte ? Wann fand diese Verlegung wirklich statt? Da von einem Neubau nur in der Formulierung von 1420 ausdrücklich gesprochen wird, scheint es sich so zu verhalten, daß in der Zeit um 1420 zwar eine Kapelle erbaut wurde, der Bau jedoch zu klein und zu dürftig ausfiel, was mit der angespannten finanziellen Lage des Dorfes zusammengehangen haben mag. Denn diese finanzielle Notlage war ja auch der Anlaß für die Ausstellung des oben erwähnten Bettelbriefes. Kirchensatz und Zehnten, die um 1400 österreichisch waren, wurden 1405 von Herzog Friedrich von Österreich an das Paulanerkloster Rohrhalden bei Kiebingen gestiftet. 1457 bestätigte dies der Bischof, der gleichzeitig mit dieser Bestätigung die Pfarrei dem Kloster inkorporierte. Nun hatte das Kloster Rohrhalden für die kirchlichen und seelsorgerlichen Bedürfnisse aufzukommen, weshalb es im Jahr 1460 durch eine Erweiterung der Kapelle auch die unbefriedigenden räumlichen Verhältnisse verbesserte. Diese erweiterte Kapelle wurde der Gottesmutter und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.

Am 6. März 1476 verkauften die Witwe und die Kinder des Hans Ycher um 4750 Gulden das Dorf Bieringen an Burkhard von Ehingen. Bald nach dem Erwerb des Dorfes kam es jedoch zu Streitigkeiten zwischen dem Kloster Rohrhalden und dem neuen Ortsherrn "der Lehensherrschaft und Pfarre wegen, Es ging dabei um das Patronatsrecht. Dieser Rechtsstreit, beigelegt durch Erzherzogin Mechthild, endete mit einem Vergleich : Burkhard von Ehingen wurde das Nomina -tionsrecht der Pfarrei zugesprochen (Ernennung des Pfarrers), dem Kloster Rohrhalden das Präsentationsrecht (Präsentation des neu ernannten Pfarrers gegenüber dem Bischof für die Investur), wobei das Kloster einen nominierten Pfarrer nicht zurückweisen durfte. Dieses Ernennungsrecht des jeweiligen Pfarrherrn ging von den Herren von Ehingen auf die Grafen von Sternbeck, dann an die Grafen von Atthems zu Hirrlingen und im Jahr 1788 an die Freiherrn von Raßler über.

Interessantes erfährt man in dem oben genannten Vergleich auch über die "Pfarrbesoldung". So wurde bestimmt, daß der jeweilige Pfarrer in Bieringen den ganzen Wein- und Heu-zehnten, den ganzen Kleinen Zehnten und die Sinalsaat erhalten sollte, ausgenommen 1 Scheffel Erbsen, der jährlich dem Gotteshaus zukommen sollte. Außerdem sollte der Pfarrer vom Kloster Rohrhalden erhalten: 8 Malter Roggen, 8 Malter Vesen, 8 Malter Hafer, 2 Viertel Gerste, je 1/2 Fuder Winter- und Haferstroh. Diese Besoldung des Pfarrers von seiten des Großzehntherrn (Rohrhalden) wurde aber im Lauf der Zeit erhöht. 1742 erhielt der Pfarrer außer Wein-, Heu- und Kleinzehntem, Schmal- und Sinalsaat auch noch den Blutzehnt. Ferner kamen hinzu: 9 Malter Roggen, 18 Malter Vesen, 13 Malter Hafer, 2 Viertel Gerste, 5 O hmen Wein, die er auf eigene Kosten im Kloster Rohrhalden abholen sollte, je 1/2 Fuder Roggen- und Haferstroh.

Im Jahr 1485 stiftete Burkhard von Ehingen für sein und seiner Angehörigen Seelenheil eine Kaplanei auf den Altar , der zu Ehren der Heiligen Antonius, Franziskus und Paulus Eremita (Einsiedler) errichtet worden war und vor dem Chor der im Dorf stehenden Kapelle seinen Platz hatte. Das Patronatsrecht über diese Kaplanei behielt sich der Stifter für sich und seine Nachkommen vor: im Fall des Aussterbens seiner Familie sollte es auf die jeweiligen Ortsherrn übergehen. Diese Kaplanei wurde jedoch im Jahr 1615 mit der Kirche vereinigt; der Grund dafür dürften die geringen Einkünfte der Kaplanei gewesen sein. Trotz dieser Vereinigung scheint die Kaplanei zeitweise besetzt gewesen zu sein, denn für die Jahre 1639 bis 1679 lassen sich Kapläne in Bieringen nachweisen.

Außer diesen wenigen nüchternen Fakten bleibt die Geschichte der Bieringer Kirche für die weiteren Jahre des 17. Jahrhunderts weitgehend im dunkeln. Ein Schlaglicht auf die Situation der Kirchengemeinde im Dreißigjährigen Krieg wirft aber eine Notiz des damaligen Ortspfarrers Magister Johann Molitor, der sich um die Pfarrei Wurmlingen bewarb. Als Grund für seinen Versetzungswunsch gab er an, daß Bieringen "totaliter ruiniert, wenig Untertanen mehr bei Leben und danenhero alldorten ein Priester nicht wohl mehr Betrag und notwendige Sustentation gehabt haben mag".

Im Jahr 1786 wurde das Kloster Rohrhalden aufgelöst. Vom österreichischen Religionsfonds, auf den die Rechte des Klosters übergegangen waren, kauften die Freiherren von Stauffenberg den Großzehnten und das Präsentationsrecht. Dieser neue Zehntherr ließ im Jahr 1788 die Pfarrkirche vollständig renovieren. 1797 wurde der Kuppelturm errichtet.

Der neuen Kreis- und Oberamtseinteilung des 1806 geschaffenen und 1810 durch Gebietszuwachs erweiterten Königreichs Württemberg folgte durch ein Königliches Manifest vom 3. November 1810 die kirchliche Einteilung in Dekanate, die sich im großen und ganzen an die politische anschloß. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde Bieringen, das dem Dekanat Empfingen-Haigerloch angehörte, neben vielen anderen Orten dem Dekanat Horb angeschlossen. Das Horber Kapital gehörte zwar vorerst noch zum Bistum Konstanz, wurde nach dem Tod des Fürstprimas Dalberg jedoch imJahre 1817- wie alle württembergischen, früher zu Konstanz gehörigen Orte - dem Generalvikariat Ellwangen angeschlossen und 1828 dem neu errichteten Bistum Rottenburg einverleibt.

In der Pfarrbeschreibung aus dem Jahr 1825 wird die Kirche folgendermaßen beschrieben: "Im Schiff rechts und links stehen je zwölf Bänke für je acht Personen gedacht. Im Chor steht rechts und links je ein Betstuhl für die abendliche Vesper . Auch befindet sich rechts und links je ein Beichtstuhl. Die Sakristei ist an der Nordseite des Chores angebaut. Die Kirche ist viel zu klein."

Diese räumliche Beengtheit war auch der Grund, weshalb die Kirche unter Pfarrer Martin Nester 1891 erweitert wurde.Der Chor wurde dabei abgerissen, das Schiff um ein Joch nach Osten verlängert und ein neuer Chor angebaut. 1912 wird das Kirchendach umgedeckt, und 1913 wird in der Kirche eine elektrische Beleuchtung installiert.

1920 wird eine neue Turmuhr angeschafft. Im Jahr 1923 mußte wieder das Dach der Kirche erneuert werden. Dabei wurde das alte Zwiebeldach des Turmes abgenommen und durch das noch heute bestehende geradlinige Turmdach ersetzt.

Interessant bei dieser Renovation ist die Art der Finanzierung. Aus der Pfarrchronik kann man dazu entnehmen: "Die Reparaturen wurden mit Weizen, Gerste, Eiern und anderen Naturalien gezahlt. Baron von Raßler hatte dem Pfarrer 3 Milliarden Mark vorgeschossen. Als er die Schuld nach Wochen bereinigte, waren es noch Pfennige. Baron von Raßler schenkte den Betrag, der zur Zeit der Darleihung bedeutend mehr Wert hatte. In dieser Zeit waren im Klingelbeutel eine große Zahl Milliardenscheine.