Bieringer Kollage
 

Römische Funde in Bieringen

Die römische Besiedlung unserer Gegend erfolgte im Rahmen der von flavischen Kaisern im letzten Drittel des ersten Jahrhunderts n. Chr. durchgeführten Expansionspolitik. Das Obere Gäu und der Raum um Tübingen fielen vermutlich zwischen der Zeit 83 und 90 n. Chr. unter die römische Herrschaft. In der Folge bildete das römische Rottenburg - Sume-locenna - das Zentrum der Umgebung. Das Siedlungsbild der Landschaft wird von einzeln stehenden Gutshöfen (Villae rusticae) geprägt. Römische Gutshöfe sind nachgewiesen in Bierlingen, Bondorf und in Obernau. Insgesamt gibt es knapp 90 römische Fundstellen im Oberen Gäu und in der Region um Tübingen.

Das am linken Neckarufer unter dem heutigen Stadtgebiet von Rottenburg gelegene Sumelocenna entwickelte sich im zweiten Jahrhundert zu einem blühenden Gemeinwesen. Eine sieben Kilometer lange Wasserleitung von Obernau nach Rottenburg, die als größtes Bauwerk dieser Art in Südwestdeutschland gilt, unterstreicht die Bedeutung von Sumelocenna. Eine Brandbestattungsstelle, wie sie in Reusten, Wolfenhausen, Gültstein und Hailfingen nachgewiesen wurden, fand man auch in Bieringen. Eine Hauptstraße der Römer wurde von Schwalldorf in Richtung Bieringen festgestellt.

Die Nebenzweige des Rottenburger Befestigungssystems haben sich aufwärts bis in das Seitental der Starzel erstreckt. Unmittelbar südöstlich des Hennentalhofes bei Bieringen fand man auf den Äckern römische Scherben in der Nähe jener Stelle, an der auch Reste jungsteinzeitlicher Besiedlung gefunden wurden. Ebenfalls wurden auf Bieringer Markung zwei römische Münzen gefunden.

Denar (Silbermünze) des römischen Kaisers Hadrian (117-138 n. Chr ), geprägt 119-122 n. Chr in der Münzstätte Rom.

Vorderseite:
IMP CAESAR TRAIAN H ADRIANVS AVG (Imperator Caesar Traiallus Hadrianus Augustus), Büste des Kaisers mit Lorbeerkranz drapiert und im Panzer, nach rechts.

Rückseite:
PM TRP COS III (Pontifex Maximus, Tribunicia Potestate, Consul III[ Oberpriester, Inhaber der tribunicischen Gewalt, zum 3. Mal Konsul]), Salus sitzt nach links, füttert eine um den Altar gewundene Schlange, darunter im Abschnitt SAL AVG (Salus Augusti [Heil des Augustus]).

Denar des römischen Kaisers Antoninus Pius (138-161 n. Chr.), geprägt 139 n. Chr. in der Münzstätte Rom (also eine sehr frühe Prägung dieses Kaisers).

Vorderseite:
ANTONINVS A VG PIVS PP (Antoninus Augustus Pius Pater Patriae [Vater des Vaterlandes ] ), barhäuptiger Kopf des Kaisers nach rechts.

Rückseite:
TRP COS II (Tribunicia Potestate Consul II [Inhaber der tribunicischen Gewalt, zum 2. Mal Konsul]), Opfergeräte (Schöpfkelle, Stab, Kanne, Wedel).